OWTS/Teilentladunsmessung

Als Teilentladung wird ein Teildurchschlag der Isolierung bezeichnet, der aufgrund einer Inhomogenität des Isoliermediums auftritt. Teilentladungen können in festen, flüssigen oder gasförmigen Isolierungen stattfinden und werden nach ihrer Erscheinungsform klassifiziert. Man unterscheidet äußere Teilentladungen (Koronaentladung), Gleitentladungen entlang der Grenzschicht eines Isolierstoffes und innere Teilentladungen z.B. Lufteinschlüsse im Inneren der Isolierung.

Die Diagnose durch eine Teilentladungsmessung mit dem OWTS-System dient der Bewertung und Lokalisierung der Teilentladung (TE) in der Kabelisolierung und in Garnituren. Die Lokalisierung erfolgt auf Basis der bekannten Laufzeitmessung, wie sie zum Beispiel aus der Kabelfehlerortung bekannt ist. Durch Nutzung eines PCs oder Notebooks als WLAN-Steuereinheit in Verbindung mit einer HV-Quelle und einer Resonanzspule wird die Prüfwechselspannung erzeugt.
Zur Diagnose wird das Kabel kurzzeitig aufgeladen und es entsteht eine sinusförmige oszillierende Schaltspannung. Eine Belastung des zu prüfenden Kabels kann ausgeschlossen werden, da die oszillierende Spannung nur für einige 100 ms anliegt. Durch Abklingen der Amplitude können die TE-Aussetzspannung und der Tangens-Delta-Wert ermittelt werden.

Weitere Möglichkeiten der Teilentladungsmessung bestehen in der Anwendung anderer Spannungsquellen wie z.B. 0,1-Hz-Sinus- oder 0,1-Hz-Rechteck-Spannung. Dabei werden die bei den TE entstehenden HF-Signale über einen Koppelkondensator gefiltert und mittels Laufzeitmessung lokalisiert. Vorteil dieser Methode ist, dass die Messung mit bereits vorhandener Prüftechnik und einem Zusatzgerät durchgeführt werden kann. Daraus ergibt sich die Kombinationsmöglichkeit von Kabelprüfung und Teilentladugsmessung.
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Spannungsformen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können und somit nicht direkt vergleichbar sind.
Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Steilheit der einzelnen Spannungsformen. OWTS-Anlagen arbeiten, abhängig von der Kabelkapazität, in einem Frequenzbereich von ca. 50Hz bis ca. 400Hz. Bei 0,1-Hz-Rechteckspannung verläuft die fallende Flanke ähnlich der einer 50-Hz- Spannung. Somit stehen bei beiden Anlagen aussagekräftige Ergebnisse zur Verfügung.

TE-Messungen werden bevorzugt zur Kontrolle der Montagequalität von Muffen und Endverschlüssen nach der Montage und vor Ablauf von Garantiefristen durchgeführt.